Beratung, Internationales und Kultur (BIK)
Soziale Räume schaffen
Psychische Belastungen, finanzielle Sorgen und soziale Isolation: Viele Studierende stehen aktuell vor großen Herausforderungen. Wie die mobile Sozialberatung seit August 2025 direkt in Wohnanlagen Unterstützung bietet und welche Entwicklungen zu erkennen sind, erklärt Ole Grönniger, B.A. Sozialarbeiter für aufsuchende Arbeit im Studierendenwerk Münster, im Interview.
Warum ist eine mobile Sozialberatung in den Wohnanlagen wichtig?
Der größte Vorteil ist die Niederschwelligkeit. Viele Studierende in psychischen und finanziellen Notlagen nehmen Hilfe eher in Anspruch, wenn sie direkt vor Ort angeboten wird. Durch die offenen Sprechstunden entsteht außerdem ein engerer Bezug zur Lebenswelt der Studierenden und Themen rund um das Zusammenleben in Wohnanlagen kommen häufiger zur Sprache.
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Welche Probleme beschäftigen Studierende in den Wohnanlagen aktuell besonders häufig?
Sehr präsent sind psychosoziale Themen wie Einsamkeit, soziale Ängste und Schwierigkeiten, Anschluss zu finden. Gleichzeitig nehmen finanzielle Notlagen deutlich zu – etwa durch steigende Lebenshaltungskosten, Jobverluste oder Probleme mit Krankenkassen und Aufenthaltstiteln. Oft verstärken sich psychische und finanzielle Belastungen gegenseitig. Besonders internationale Studierende leiden unter der aktuellen Wirtschaftslage. Häufig kommen sie auch aus Ländern, in denen aktuell Krieg herrscht, was ein weiterer Stressor für diese Gruppe ist. Internationale Studierende sind von den genannten Problemen viel stärker bedroht.
Welche Entwicklungen beobachten Sie bei Studierenden?
Das allgemeine Stresslevel der Studierenden scheint permanent auf einem recht hohen Niveau zu sein. Studierende in den Wohnanlagen beschweren sich zunehmend über ihre Nachbarinnen und Nachbarn. Themen sind Lärm, Verschmutzung und allgemein Rücksichtslosigkeit. Konflikte durch Gespräche zu lösen, scheinen viele verlernt oder gar nie gelernt zu haben.
Welche Rolle spielt für Sie die Zusammenarbeit mit Hausverwalterinnen und Hausverwaltern und den studentischen Wohnheimräten?
Beide sind sehr nah am Alltag der Studierenden. Sie bekommen Probleme früh mit und können Studierende gezielt auf Hilfsangebote aufmerksam machen. Dadurch entsteht ein wichtiges Netzwerk, das schnelle Unterstützung und kurze Kommunikationswege ermöglicht.
Wie wollen Sie die aufsuchende Arbeit im Studierendenwerk Münster in Zukunft gestalten?
Künftig sollen noch mehr bedarfsorientierte Angebote entstehen – zum Beispiel Vorträge, Austauschgruppen oder Veranstaltungen zu Themen wie ADHS bei Studierenden. Ziel ist es, soziale Räume zu schaffen, Studierende besser zu vernetzen und die Unterstützung langfristig noch sichtbarer und zugänglicher zu machen.
„Ich will eine Gemeinschaft schaffen, in der sich alle willkommen fühlen“
Wenn im Gemeinschaftsraum am Wilhelmskamp gesungen, gelacht oder gespielt wird, steckt meist Fardeen Khan dahinter. Der Student der Wirtschaftsinformatik ist einer von fünf Wohnheimtutoren, die in den Wohnanlagen des Studierendenwerks regelmäßig Veranstaltungen organisieren – mit einem klaren Ziel: Menschen zusammenzubringen. „Ich will eine Gemeinschaft schaffen, in der sich alle willkommen fühlen“, sagt er.
„Das DormTutors-Projekt gibt es bereits seit 2005. Es ist das älteste internationale Projekt im Studierendenwerk“, erklärt Medina Oprea aus dem Bereich Internationales der Abteilung Beratung, Internationales, Kultur (BIK). „Gerade internationale Studierende haben es oft schwer, Anschluss zu finden.“
Die Zahl internationaler Studierender ist im Winterseemster 2025/2026 gestiegen, aktuell sind 14% aller Studierenden bundesweit international. Um Begegnungen zu schaffen, organisieren die Tutorinnen und Tutoren internationale Meet-ups, Karaoke-Abende oder Spieleabende. „Mit Karaoke entsteht schnell eine lockere Stimmung. Spieleabende sind dagegen entspannter und bieten mehr Raum für Gespräche. Diese Mischung ist mir wichtig“, erzählt Fardeen Khan.
„Als Tutor lernt man, Verantwortung zu übernehmen.“
Bei großen Karaoke-Abenden mit bis zu 90 Gästen kümmert er sich um Technik, Essen und Getränke – und löst nebenbei auch spontane Probleme. „Als Tutor lernt man, Verantwortung zu übernehmen und flexibel zu bleiben. Diese Erfahrungen helfen mir auch für meine berufliche Zukunft im Bereich Business- und IT-Management.“ Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm ein Karaoke-Abend, der deutlich größer wurde als geplant: „Eigentlich hatte ich nur mit 20 Leuten gerechnet. Am Ende kamen plötzlich Studierende aus ganz verschiedenen Wohnheimen zusammen. Die Stimmung war einfach unglaublich.“
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Internationale Angebote und gemeinsame Erlebnisse
Neben den Wohnheimveranstaltungen unterstützt Fardeen Khan auch den Bereich Internationales bei verschiedenen übergreifenden Formaten und Projekten. Dazu gehört unter anderem „Discover Germany and the World“. Hier lernen internationale Studierende gemeinsam Städte, Sehenswürdigkeiten sowie deutsche und internationale kulturelle Vielfalt kennen. Auch das Format „Welcome“ begleitet internationale Studierende beim Start in Deutschland. Dazu zählen die StudentsWelcomeParty im Oktober, die Welcome@Dorm-Begrüßungen in den Wohnanlagen sowie das große jährliche International DormFest am Wilhelmskamp. „Unser Angebot wird zusätzlich durch finanzielle Unterstützung sowie Beratung und Orientierung ergänzt – etwa bei Fragen zu Jobs, Aufenthalt oder persönlichen Krisen“, erklärt Medina Oprea. „Der Start in Deutschland ist für viele internationale Studierende mit zahlreichen Hürden verbunden.“
Deutschland entdecken und erleben
Fardeen Khan kennt diese Situation aus eigener Erfahrung. Er stammt aus einer kleinen, grünen Stadt in Zentralindien. Der Umzug nach Deutschland sei zunächst eine große Umstellung gewesen. Heute schätzt er besonders die Offenheit der Menschen und die kulturelle Vielfalt. „Ich habe hier viele Menschen aus unterschiedlichen Ländern kennengelernt und Freundschaften geschlossen.“ Auch Deutschland selbst entdeckt er gerne. Besonders faszinieren ihn ländliche Regionen. „Einmal habe ich eine Familie auf dem Land besucht und durfte einen Tag lang den Alltag mit Pferden erleben. In meiner Heimatstadt gibt es kaum Pferde. Das war aufregend.“ Aktuell schreibt er an seiner Masterarbeit. Danach möchte er zunächst Berufserfahrung in Deutschland sammeln, bevor er nach Indien zurückkehrt. „Ich vermisse meine Familie sehr. Die gemeinsame Zeit ist mir mit den Jahren immer wichtiger geworden.“ Bis dahin möchte er weiterhin Veranstaltungen in seiner Wohnanlage organisieren – und dazu beitragen, dass sich Studierende in Münster willkommen und zuhause fühlen.
Finanzielle Hilfe in Notlagen
Freitisch
Eine kostenlose Aufladung der Mensakarte in Höhe von 50 €, wenn das Kartenguthaben unter 10 € liegt. Dafür werden Kontoauszüge der letzten 3 Monate, die Semesterbescheinigung und der ausgefüllte Freitisch-Antrag vorgelegt.
Kinderteller
Studierende können ihre Kinder (bis 14 Jahren) in Bistros und Mensen mitnehmen. Diese bekommen dort kostenlos eine kindgerechte Portion. Dieser Ausweis ist ein Semester gültig. Dafür werden die Geburtsurkunde des Kindes, die Semesterbescheinigung und das ausgefüllte Formular benötigt.
Notfallstipendium
In besonderen Härtefällen kann ein einmaliger Zuschuss gewährleistet werden. Ein Anspruch besteht nicht. Weitere Informationen werden in einem persönlichen Beratungsgespräch besprochen.
Darlehen
Studierende ohne Anrecht auf BAföG, die in eine unverschuldete Notlage geraten, können ein zinsloses Darlehen anfragen. Diese Anfrage wird intensiv als Einzelfall geprüft. Das Darlehen kann nur in akuten Notsituationen angeboten werden.
Beratungszahlen im Trendverlauf
204 Kurzzeitberatungen
1000 ausführliche Beratungen
181 Beratung für Studierende mit Erkrankungen
303 Beratungen für reguläre Studierende
550 Beratungen für internationale Studierende
133 Beratungen für Studierende mit Kind
- hochschul- und sozialrechtliche Fragen
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